
Nachbarschaft · Berlin
Hier leiht man Bohrmaschinen wie Bücher — seit 15 Jahren
2010 eröffnete der Soziologe Nikolai Wolfert in der Kastanienallee Berlins ersten Leihladen. Heute steht „Leila“ im Haus der Materialisierung in Mitte — getragen von Menschen, die lieber teilen als besitzen.
Leila — Berlins erster Leihladen · Redaktion · 4 Min. Lesezeit
Das Prinzip ist so einfach, dass man sich fragt, warum es nicht überall existiert: ein Laden voller nummerierter Gegenstände — Werkzeug, Küchengeräte, Campingausrüstung, Kinderspielzeug — und wer Mitglied ist, leiht sie aus wie Bücher aus einer Bibliothek. Mitglied wird, wer selbst einen Gegenstand beisteuert oder mindestens einen Euro im Monat gibt.
Angefangen hat das 2010 in der Kastanienallee im Prenzlauer Berg, gegründet vom Soziologen Nikolai Wolfert — „Leila“, kurz für Leihladen, gilt als der erste seiner Art in Berlin. Heute ist der Laden im Haus der Materialisierung nahe der Karl-Marx-Allee zu Hause, geöffnet dienstags und mittwochs am Nachmittag, getragen von Ehrenamtlichen.
„Leila ist ein Mitmachladen. Deine Ideen und Mithilfe ist gefragt, nur so kann sie erhalten bleiben“, schreibt der Laden über sich selbst. Auf teure Gegenstände gibt es ein Pfand, starre Leihfristen gibt es nicht — es funktioniert, weil man sich kennt.
Fünfzehn Jahre Bestand, kein Investor, keine App, kein Geschäftsmodell im eigentlichen Sinn. Nur die Einsicht, dass eine Nachbarschaft zusammen mehr besitzt als jeder Einzelne — und dass Teilen kein Verzicht ist, sondern ein Gewinn: an Platz, an Geld, an Nachbarn.


