
Menschen · Rheinland-Pfalz
Wo die letzte Praxis schloss, parkt jetzt der weiße Transporter
Seit 2024 fahren zwei voll ausgestattete Praxis-Fahrzeuge durch Rheinland-Pfalz — dorthin, wo es keinen Hausarzt mehr gibt. Über 2.000 Patientenkontakte im ersten Jahr, die Termine sind meist ausgebucht.
Die Mobile Arztpraxis der KV Rheinland-Pfalz · Redaktion · 5 Min. Lesezeit
Von außen ein weißer Transporter, von innen eine komplette Hausarztpraxis: Behandlungsraum, Ultraschall, alles, was es braucht — nur eben auf Rädern. Seit Sommer 2024 schickt die Kassenärztliche Vereinigung Rheinland-Pfalz zwei solcher Fahrzeuge, je rund 250.000 Euro teuer und gemeinsam mit dem Land finanziert, in Orte, in denen die letzte Praxis geschlossen hat.
Herdorf im Westerwald, Hachenburg, Plaidt, Worms-Neuhausen — zehn Einsatzorte waren es im ersten Jahr, mit über 2.000 Patientenkontakten; in Herdorf kamen zeitweise 25 bis 30 Patienten am Tag. Ein Team aus drei Ärztinnen und Ärzten und zwei Medizinischen Fachangestellten behandelt wie in jeder Hausarztpraxis: Rezepte, Krankschreibungen, Überweisungen, am häufigsten Bluthochdruck, Atemwegserkrankungen, Diabetes. Seit 2025 gibt es zusätzlich Videosprechstunden.
Die KV selbst ist ehrlich: Eine Dauerlösung ist der Transporter nicht. „Die Mobile Arztpraxis kann als Überbrückung bei kurzfristigen Versorgungsengpässen dienen“, sagt ihr Vorstandsvorsitzender Peter Heinz. Gesucht werden weiter Ärzte, die bleiben.
Aber für die Patientin, die sonst stundenlang unterwegs wäre, ist der weiße Transporter auf dem Dorfplatz genau die richtige Lösung — jetzt, nicht irgendwann. Auch 2026 ist er wieder unterwegs, von Bad Sobernheim bis Worms.


