Erfindergeist · Brandenburg

130 Einwohner, eigenes Stromnetz, halber Strompreis

Das brandenburgische Feldheim versorgt sich seit 2010 komplett selbst mit Strom und Wärme — über Netze, die den Bewohnern gehören. Der Überschuss fließt bis nach Potsdam und Berlin.

Feldheim bei Treuenbrietzen — Deutschlands erstes energieautarkes Dorf · Redaktion · 6 Min. Lesezeit

Auf den ersten Blick ist Feldheim ein Dorf wie viele in Brandenburg: rund 130 Einwohner, Felder bis zum Horizont, am Ortsrand drehen sich Windräder. Auf den zweiten Blick gehört den Menschen hier etwas, das sonst großen Konzernen gehört — ihr eigenes Strom- und Wärmenetz.

Seit 2010 versorgt sich der Ortsteil von Treuenbrietzen vollständig selbst: mit einem Windpark von 122,6 Megawatt Leistung, einer Biogasanlage, einem Holzhackschnitzel-Heizwerk und einem Batteriespeicher von rund zehn Megawatt. Die Ortsnetze betreibt die Feldheim Energie GmbH & Co. KG — eine Gesellschaft der angeschlossenen Haushalte, Betriebe und der Gemeinde. Die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe des Bundes führt Feldheim als erstes energieautarkes Dorf Deutschlands.

Was das konkret heißt, sieht man auf der Stromrechnung: Die Feldheimer zahlen rund zwölf Cent pro Kilowattstunde — etwa die Hälfte des Bundesdurchschnitts — und etwa siebeneinhalb Cent für die Wärme. Der Windpark erzeugt weit mehr, als das Dorf braucht; der Überschuss fließt in die Region, bis nach Potsdam und Berlin.

Inzwischen kommen jedes Jahr über 3.000 Besucher aus aller Welt in das 130-Seelen-Dorf, um sich anzusehen, wie Energiewende aussieht, wenn man sie anfassen kann. Die Antwort ist unspektakulär und gerade deshalb überzeugend: wie ein ganz normales Dorf — nur mit eigenen Leitungen.

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