
Nachbarschaft · Hessen
Erst Deutschstunde, dann Anstoß: Wie ein Verein 150 Geflüchtete in den Sport brachte
2015 startete die SG Egelsbach im Kreis Offenbach einen Sprachkurs mit Fußballvokabeln plus Mitternachtsfußball. Zwei Jahre später stand der Verein beim DFB-Integrationspreis im Deutschen Fußballmuseum auf der Bühne.
„Refugees United“ bei der SG Egelsbach · Redaktion · 5 Min. Lesezeit
Die Idee klingt unscheinbar: freitagabends erst Deutschunterricht — mit Fußballvokabeln, damit es auf dem Platz klappt —, danach wird gekickt. „Refugees United“ nannte die SG Egelsbach ihr Projekt, gestartet im Oktober 2015 zusammen mit der Christlichen Flüchtlingshilfe Egelsbach/Erzhausen. Acht Abende, je 90 Minuten Theorie und 90 Minuten Praxis, unter den Teilnehmern Menschen aus Somalia, Irak, Äthiopien, Syrien und Eritrea.
Treibende Kraft war Thomas Geiß, der frühere Jugendleiter des Vereins. „Anfangs wollten wir einfach nur Begegnungen schaffen. Mittlerweile wollen wir Flüchtlinge befähigen, sich selbst im Verein einzubringen“, sagte er — als Betreuer, Trainer, Schiedsrichter. Die Bilanz nach zwei Jahren: Von rund 200 Geflüchteten, die seit 2015 nach Egelsbach kamen, trieben fast 150 bei der SGE Sport.
2017 gehörte der Verein zu den drei Nominierten der Kategorie Verein beim zehnten DFB- und Mercedes-Benz-Integrationspreis, verliehen im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund. Integration, dieses große, oft so verkrampft diskutierte Wort, passiert hier nebenbei — beim Vokabellernen, beim Training, beim Aufräumen der Kabine.
Es ist kein Modellprojekt mit Logo und Abschlussbericht. Es ist ein Verein, der einfach angefangen hat. Vielleicht ist genau das das Modell.


